2016 Flonheim Weisser Riesling QbA Trocken

Im VDP (Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter e. V.) aber auch bei vielen Weingütern außerhalb dieses Vereins hat sich in den letzten Jahren eine Qualitätspyramide durchgesetzt, in deren Mittelbau sich die sogenannten Ortsweine oberhalb der Gutsweine und unterhalb der Lagenweine finden. Diese Ortsweine sind geprägt vom Klima und den Böden eines Ortes und unterscheiden sich von den Lagenweinen häufig durch nichts als einen mitunter deutlich günstigeren Preis. Gerade in Rheinhessen findet sich so mancher Ortswein, der, ohne es auf dem Etikett zu verraten, aus einer erstklassigen Lage stammt und mit der gleichen Sorgfalt produziert wurde wie so manches Große Gewächs (GG) und dabei zugleich nur einen Bruchteil eines GGs kostet. Bestes Beispiel ist der Oppenheimer Riesling aus dem VDP-Weingut Kühling-Gillot, der, warum auch immer, nicht als GG (und der damit verbundenen Nennung seiner Lage) vermarktet wird, obwohl er seiner Qualität und seiner Herkunft (Oppenheimer Sackträger) nach ein würdiges GG wäre. Gut für den Weinfreund: Es muss auch nicht der Preis eines GGs bezahlt werden.

Nicht Mitglied im VDP aber Produzent zahlreicher guter, sehr guter und auch Spitzenweine ist das Weingut Espenhof aus dem Rheinhessischen Flonheim-Uffhofen. Meine Entdeckung aus dem Jahrgang 2016 ist der Flonheimer Weisser Riesling trocken, der als Ortswein deklariert

Flonheimer16b

es für unter 10,– Euro locker mit so manchem GG aufnehmen kann.

Achtung beim Öffnen der Flasche und dem ersten Probieren! Man könnte fast meinen, der Wein sei minderwertig oder gar verdorben. Das ist er aber keineswegs, wie sich nach einigem Belüften deutlich zeigt. Dieser Wein ist zur Zeit einfach noch zu jung, vor Herbst 2018 würde ich ihn nicht trinken. Dass er noch deutlich zu jung ist, zeigt sich zuerst in der hefig-reduktiven Sponti-Nase, die nur wenig Frucht (Zitrus, Pfirsich, etwas rote Beeren) und viel Mineralität offenbart. Auch am Gaumen zeigt sich dieser Riesling sehr fest mit deutlicher Mineralität, leicht rauchig, hefig, mit feinen Gerbstoffen, herb, leicht floral und wieder mit Anklängen von roten Beeren, bereits jetzt mit einer gewissen Tiefe und einem schönen Nachhall. Ich gehe jede Wette ein, dass dieser Wein in einem ordentlichen Keller locker vier Jahre liegen kann und sich in jedem Jahr sehr positiv weiter entwickeln wird. Was der Winzer zu diesem Wein schreibt , offenbart, dass es sich zu 80% um Riesling aus der Lage Uffhofener La Roche handelt, zu der ich im Juli diesen Jahres schon etwas geschrieben habe, nämlich hier. Und dass dieser Riesling ein Wein ist, der die Bezeichnung „trocken“ zu Recht trägt, kann man den Analysedaten entnehmen. Mit geht das dauernde Zuckerschwänzchen bei vielen Weinen aber auch in vielen anderen Getränken und Lebensmitteln inzwischen dermaßen auf den Gaumen, dass ich sehr dankbar bin für die nur 1,9g/l Restzucker in diesem Wein. Nochmal Achtung: Trocken heißt nicht sauer!!

Jeder Rieslingliebhaberin und jedem Rieslingliebhaber kann ich nur empfehlen, sich ein paar Flaschen dieses hervorragenden Ortsweins in den Keller zu legen.

Übrigens: Die einzigen Weinführer, die das Potential dieses Rieslings entdeckt haben und angemessen bewerten, sind der Weinführer von Wein-Plus , der 90 Punkte und das Prädikat „hervorragend“ vergibt sowie James Suckling und sein Team, das gar 91 Punkte zückt.  Gault Millau und Vinum bleiben mit ihren Bewertungen deutlich darunter.

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