Jean Baptiste

Die Anekdote, die hinter dem Namen dieses Rieslings steckt, ist auf dem Rückenetikett schnell erzählt, wobei verschwiegen wird, dass die Familie Gunderloch wie auch viele Nackenheimer es zunächst gar nicht so lustig fanden, dass ihnen in Zuckmayers Lustspiel „Der fröhliche Weinberg“ ein literarisches Denkmal gesetzt wurde. Zu einer Versöhnung kam es erst nach 50 Jahren. Der Schriftsteller feierte seinen 75. Geburtstag im Weingut und 19 Jahre später, zum 100. Geburtstag des Weinguts, wurde nicht nur das Stück im Weingut aufgeführt, sondern der erste „Jean Baptiste – Riesling Kabinett“ erblickte in diesem sehr guten Weinjahr 1990 das Licht der Welt.

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Für mich ist dieser feinherbe Riesling seit Jahren der Prototyp eines Riesling Kabinetts, eine kleine Auswahl des Jean Baptiste aus verschiedenen Jahrgängen versuche ich stets im Keller zu haben.

Kabinett-Rieslinge feiern z.Zt. eine kleine Renaissance, da die weltweite Riesling-Fangemeinde gemerkt hat, dass der Weg zu immer hochgradigeren Rieslingen mit 13 oder gar 14 %vol Alkohol eine Sackgasse ist und gerade der Riesling (wie aber auch der Muskateller und nur wenige andere Rebsorten) sich für die Erzeugung vergleichsweise leichter Weine eignet, die dennoch nicht flach und säuerlich daherkommen.

Was jetzt nun ein „echter“ Kabinett sei, darüber kann man trefflich streiten, hängt es doch nicht zuletzt davon ab, welche Öchslegrade im jeweiligen Anbaugebiet die Prädikatsstufe „Kabinett“ definieren. Für mich darf ein „echter“ Kabinett nicht mehr als 11 bis 11,5 Vol% Alkohol enthalten, denn wenn ich einen Kabinett trinke, dann gerade deshalb, weil ich vergleichsweise wenig Alkohol konsumieren möchte. Es gibt Weinkritiker, die wenden ein, dass in Zeiten des Klimawandels ein reifer Kabinett-Riesling sich gar nicht mehr erzeugen ließe (Durch die große Wärme würde der Riesling auf dem Weg zu physiologischen Reife der Trauben, und die ist notwendig, soll der Wein auch reichhaltig und aromatisch schmecken, viel zu viel Zucker bilden, so dass Alkoholgrade von 11%vol stets überschritten würden.). Meiner Erfahrung nach stimmt das nur bedingt und wenn, dann bei „trockenen“ Kabinettweinen, bei denen der Zucker der Trauben mehr oder weniger komplett vergoren wurde. Es gibt aber Weingüter, die begegnen dem Zuviel an Zucker und damit Alkohol nicht nur dadurch, dass sie keine trockenen sondern feinherbe oder gar liebliche Kabinette erzeugen, sondern sie versuchen durch angepasstes Weinbergsmanagement, die Auswahl „kühlerer“ Lagen (-teile), etc. auch in warmen Zeiten leichtere Weine zu produzieren. So gibt es nach wie vor ein schönes Angebot von „echten“ Riesling-Kabinettweinen, auch aus Rheinhessen und dem Rheingau, insbesondere aber auch am Mittelrhein und an der Mosel und ihren Nebenflüssen.

Ich mag, da sie sich besser zum Essen kombinieren lassen, Weine, deren Restsüße nicht deutlich hervorsticht, so dass ich meist „trockene“ bis maximal „feinherbe“ Vertreter bevorzuge. Nun wird der Geschmackseindruck nicht allein vom Zucker sondern ebenso von der Säure bestimmt. Beim Jean Baptiste ist diese stets so präsent und pikant, dass die Süße mich beim jungen Wein nicht erschlägt und sie mit etwas Reife zunehmend in den Hintergrund tritt.

In der Nase begegnet Jean Baptiste mit Pfirsich, Aprikosen und grünem Apfel, am Gaumen findet sich die Mineralik des Rotliegenden. Die Säure ist pikant und kontert die zarte Restsüße.

 

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