Mit sechs Jahren ist man Wein noch nicht alt

Zu den Weinen mit denen ich Anfang der 1990iger Jahre das Weintrinken lernte, gehörte eine 1985iger Riesling Spätlese, die im Weinhaus Hoberg in Münster wie selbstverständlich zum Kauf angeboten wurde, regulär und nicht als rare Einzelflasche. Das war ein ungeheuer leckerer Wein aus der Lage Oppenheimer Schloss, der für die Weinhandlung Hoberg gefüllt worden war. Heute ist nicht nur das Weinhaus Hoberg in Münster längst verschwunden, auch gibt es kaum einen Händler, der in größerer Zahl gereifte Weine anbieten kann. Im Gegenteil, kaum schrieb man das Jahr 2017 drängten mit Macht alle möglichen Gewächse des Jahrgangs 2016 auf den Markt, beinahe so, als wären sämtliche Weine aus den Jahren 2015, 2014,… schon ausgetrunken.

Selbstverständlich ist dem nicht so, und auch im Mai 2017 lassen sich nicht nur Spitzengewächse sondern auch Basisqualitäten wie Guts- und Ortsweine der Jahrgänge 2015 und 2014 auch von renommierteren Erzeugern im Handel und ab Weingut finden. (Einen tollen 2014er Rheingauer Riesling Ortswein trocken, den ich vor wenigen Wochen noch einmal nachbestellt habe, werde ich demnächst vorstellen.)

Teile der Medien aber scheinen sich jedes Jahr aufs Neue einen Wettlauf zu liefern, wer wohl die schnellsten Einschätzungen des neuen Jahrgangs online zu stellen vermag. Außerdem gibt es zahlreiche Verkoster, die mit ihren Urteilen vor allem die Ersten sein wollen und damit nur ein Spiegelbild derjenigen Verbraucher sind, für die das Neueste immer das Beste ist.

Weine mit Anspruch aus dem gehobenen Segment werden in qualitätsorientierten Weingütern allerdings frühestens gefüllt, wenn es im Weinberg wieder blüht und auch die Selbstbeschränkung des VDP, Große Gewächse erst ab dem 1. September des Folgejahres auf den Markt zu bringen, ist ein Hinweis darauf, dass es sich für den Weintrinker lohnt, nicht immer nur junge Weine zu trinken, wiewohl diese durchaus auch attraktiv sein können.

20170519_131845[1]

Das Riesling GG ‚Brauneberger Juffer-Sonnenuhr‘ 2011 aus dem Weingut Reichsgraf von Kesselstattschmeckt auch 5 1/2 Jahre nach der Lese sehr animierend, reichhaltig und konzentriert, besitzt eine feine zurückhaltende dunkle Frucht, Würze und Mineralität sowie eine gut eingebundene etwas zurückhaltende reife Säure. So eignet sich dieser Riesling sehr gut als anspruchsvoller Essensbegleiter.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s